Verfasst von: Andreas Wiemers | 18. März 2012

Auslaufmodell des Tages: Spieler von der Stange

Es kommt selten vor, dass mir die Worte fehlen, aber was die Blau-Weißen unter der Leitung von Reisegruppenleiter Christoph Dabrowski heute bei ihrem Betriebsausflug nach Duisburg ablieferten, spottet jeder Beschreibung. Selbst gegen eine völlig verunsicherte Gurkentruppe aus Meiderich schaffte es der ruhmreiche VfL Bochum 1848 noch, diesem Gegner durch eine gehörige Portion Passivität, Faulheit und Dummheit zum Sieg zu verhelfen. Es ist einfach nur noch zum Kotzen, welch miese Qualität einige VfL-Spieler ihren Fans, die dafür gutes Geld hinlegen, mitunter allwöchentlich als professionellen Fußball verkaufen wollen.

Obgleich Kapitän Dabrowski unter der Woche noch großspurig verkündete, keine Rücksicht auf die Tabellensituation des benachbarten Ruhrgebietsvereins nehmen zu wollen, erinnerte die Spielweise des VfL bedenklich daran, dem MSV doch irgendwie unter die Arme greifen zu wollen. Insbesondere nach der verletzungsbedingten Auswechselung von Mimoun Azaouagh, der trotz aller Selbstverliebtheit wenigstens das biedere VfL-Spiel noch belebte, erinnerte das blau-weiße Spiel irgendwie an die Schande von Gijón. Völlig unnötig unterband der VfL selbst jede noch so verheißungsvolle eigene Kontermöglichkeit, in dem er erst einmal das Tempo aus dem Spiel nahm und wartete, bis sich die Duisburger Defensive wieder sortiert hatte. Allerdings musste dort gar nicht viel sortiert werden, denn das ideen- und konzeptlose Angriffsspiel des VfL in der zweiten Halbzeit hätte vermutlich nicht einmal eine B-Jugend in wirkliche Verlegenheit gebracht. Es sah, wie Torwart Andreas Luthe nach dem Spiel festhielt, spielerisch „ganz nett aus„, aber bekanntlich ist nett auch die kleine Schwester von scheiße. Und scheiße bleibt nun mal ein Auftritt, wenn Charakter, Kampf und Wille zum Sieg Eigenschaften sind, die man mit dieser Elf leider nicht mehr in Verbindung bringt.

Auf der letzten Fanclubvertreterkonferenz merkte ein Teilnehmer sarkastisch an, der Fußball müsse bei blau-weißer Beteiligung einfach langsamer gespielt werden, damit der VfL auch die Chance habe, mitspielen zu dürfen. Welch großen Wahrheitsgehalt diese Aussage hat, die an jenem Abend noch für Erheiterung sorgte, zeigt sich einmal mehr, wenn man sich mit ansehen muss, wie die VfL-Spieler auf den Ball warten anstatt ihm entgegen zu gehen, wie langsam sie Spielsituationen erfassen und sich beim Passspiel fast noch die Beine brechen, wie lernunfähig sie sind, wenn sie nach dem zwanzigsten gescheiterten Versuch Takashi Inui und Nika Gelashvili auch weiterhin hoch anspielen und wie läuferisch und konditionell limitiert sie sind, wenn Tempogegenstöße an zu langsam nachrückenden Mitspielern scheitern und das Heft des Handelns spätestens ab der 60. Minute dem Gegner überlassen werden muss.

Nach dem Wechsel von Funkel zu Andreas Bergmann wurde der Mannschaft viel Geduld entgegen gebracht, doch scheint dieser Kredit spätestens nach der unnötigen Niederlage gegen den MSV aufgebraucht zu sein. Wer immer diese Spieler von der Stange trainiert, verdient keine Pfiffe, sondern einfach nur Mitleid. Wer auch immer versucht, aus dieser völlig falsch zusammengestellten Truppe eine Einheit zu bilden, sollte sofort damit aufhören und auf neues „Humankapital“ setzen. Ausreichend Verträge laufen bekanntlich aus. Und bis dahin können die Verantwortlichen nur beten und hoffen, dass die Fans ein Kurzzeitgedächtnis besitzen und sich nicht völlig von dieser Mannschaft vergraulen lassen. Aber etwas „Positives“ bringen diese blau-weißen Auslaufmodelle dann vielleicht doch noch mit sich: gehen die Spiele gegen Ingolstadt und Frankfurt ebenfalls in die Hose, kann die Saison doch noch einmal spannend werden…

Advertisements

Kategorien