Verfasst von: Andreas Wiemers | 24. März 2012

Der Letzte macht das Licht aus

Verzweifelt habe ich vor dem Spiel gegen die Gäste aus Ingolstadt nach Gründen gesucht, die neben dem Konsum des ein oder anderen leckeren Kaltgetränks von Bochums sympathischer Privatbrauerei Moritz Fiege dafür sprechen könnten, sich auf das VfL-Spiel zu freuen. Bei Facebook schafften es immerhin 17 Freunde, weitere Gründe zu liefern. Vom Bier in der Sonne, besonderen Gästen, abschreckenden politischen Alternativterminen und den neuen Schönheiten von VfL-Sponsor Tiemeyer war so ziemlich jeder Grund dabei, der nichts mit Fußball zu hatte. Erst nach Aufforderung benannte einer die Möglichkeit, dass der VfL Bochum 1848 mit einem überzeugenden Spiel ein Fußballfest ermöglichen könnte und verwies auf den 26. März 1993, als der VfL ebenfalls an einem Freitagabend und auch gegen einen Verein aus dem Freistaat Bayern ruhmreich war.

Dass es derzeit mehr Spaß und Sinn macht in der Vergangenheit zu schwelgen als sich der Realität zu stellen, führten die blau-weißen Versager brutal vor Augen. Denn auch wenn sich die Mannschaft Einzelgänger die ein oder andere Torchance erspielten, zeigte der Auftritt bei der 0:1-Heimpleite gegen den FC Ingolstadt einmal mehr, dass mit dieser Truppe kein Blumentopf zu gewinnen ist. Knapp über 10.000 Zuschauer inklusive handgezählten 25 Ingolstädtern sahen einen VfL, der schon lange nicht mehr als Team agiert. Einen VfL, dessen Feuer erloschen ist. Zwar wurde im Vorfeld des Spiels durch die leitenden Angestellten noch verkündet, die Mannschaft werde Vollgas geben und sich zerreißen, doch war auf dem Platz wenig davon zu sehen. Zweifellos sah es in wenigen Momenten mal wieder nett aus, was der VfL seinen Fans bot und es wurde auch die ein oder andere Torchance erspielt, aber letztendlich überwiegt der Eindruck, dass ein Großteil der Mannschaft keine Leidenschaft mehr für ihren Job aufbringen kann, um den ihn vermutlich 50.000.000 Bundesbürger beneiden. Während die Verantwortlichen mit ihren Aussagen suggerieren, die Mannschaft brenne darauf Fußball zu spielen und zu gewinnen, spricht die Haltung der ausführenden Organe eine deutlich andere Sprache. Man traut ihnen einfach mehr zu, sich für diesen Verein zu zerreißen. Konsequenz dessen ist, dass man Woche für Woche „Tiefpunkt“ neu definieren muss. Allerdings existieren genug Ausreden und Ausflüchte wie Sperren und Verletzungen, um den Kern des Problems nicht benennen zu müssen. Und so lange Niederlagen lediglich darauf reduziert werden, dass man selbst seine Chancen nicht nutze, kann weiterhin in aller Seelenruhe um die wahren Probleme herum geschifft werden.

Neben der mangelnden Leidenschaft fehlt es der Truppe auch an Charakter. Während sich die Mannschaft auf Initiative von Andreas Luthe nach dem Schlusspfiff der berechtigten Kritik aus der Kurve erst noch stellte, beorderte Kapitän Christoph Dabrowski seine Mannen nach wenigen Minuten in die Kabine. Dabei hätte es eigentlich Dabrowski sein müssen, der sich der Aussprache stellt. Allerdings verdeutlicht die Tatsache, dass einige Spieler nach dem kurzzeitigen Kabinengang wieder in die Kurve kamen, wie zerstört die Rangordnung beim VfL ist und wie viel Uneinigkeit herrscht. Doch reichen sich Mannschaft und Kurve dabei die Hand. Denn Teile der Kurve feiern sich lieber selbst anstatt die Mannschaft angesichts eines zwischenzeitlichen trostlosen 0:0 nach vorne zu peitschen. So stört es dann auch niemanden mehr, dass einer der Vorsänger bei einem VfL-Spiel lieber ein Trikot des freundschaftlich verbunden Bologna FC überstreifte anstatt die eigenen Farben zu tragen. Es passt nur noch wenig zusammen beim VfL. Das stimmt bedenklich und es stellt sich die Frage, ob irgendwann überhaupt noch jemand da ist, der das Licht ausknipsen kann…

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