Verfasst von: Andreas Wiemers | 8. April 2012

Aus. Aus. Das Spiel ist endlich aus

Es war ein mal eine Zeit, in der VfL-Spielen schon Tage vor dem Anstoß entgegen gefiebert und unmittelbar vor dem Aufbruch in Richtung Stadion das direkte Wohnumfeld mit diversem VfL-Liedgut gehörig auf die Nerven gegangen wurde. Heuer wird hingegen so gut wie möglich verdrängt, dass in Kürze der Stadionbesuch ansteht. Wurde noch vor kurzem peinlich genau darauf geachtet, welche Unterwäsche beim letzten Sieg bzw. der letzten Niederlage getragen wurde, wird nun wahllos irgendwas frisches aus dem Schrank gekramt und mit etwas Blauem überdeckt. Lediglich die Wahl des Fanschals wird noch genau überlegt und extrem viel Wert darauf gelegt, einen Doppelschal zu tragen, so dass im Falle einer erneuten Bloßstellung das einst stolz zur Schau getragene VfL-Emblem durch das Logo der ortsansässigen Brauerei ausgetauscht werden kann.

Auch wenn die blau-weißen Farben gegen den badischen Abstiegsaspiranten nicht bloßgestellt wurden, war das trostlose 0:0 dennoch schwere Kost für das VfL-Herz. Zwar versuchte die um Kämpferherz Philipp Bönig ergänzte Mannschaft zu Beginn mit Druck dem KSC ein Spiel aufzupressen, doch verpuffte dieser Anfangselan nach gut zehn Spielminuten. Dumm nur, dass noch weitere 80 Minuten folgen sollten. Allerdings zeigte Bönig mit seiner Spielweise deutlich auf, woran es dieser Truppe insgesamt mangelt. Auch wenn Bönig und der Ball nie wirklich Freundschaft schließen werden, ist er ein Musterbeispiel an aggressiver Körpersprache und unbedingten Körpereinsatz. Tugenden, die ansonsten in Bochum viel zu selten gesehen und daher intensiv vermisst werden. Insofern war es fast schon konsequent, dass ausgerechnet Bönig Kapitain Christoph Dabrowski mustergültig mit einer Flanke bediente. Allerdings schaffte es Dabrowski unbedrängt aus fünf Meter per Kopf nicht etwa den Ball in diesem netzverhangenden 7,32m x 2,44m großen Raum unterzubringen, sondern köpfte den Ball schön mittig. Auf den Torwart. Ähnlich dämlich geschickt sollte sich nur noch Christoph Kramer anstellen, der ebenfalls aus dem Fünfmeterraum heraus und genauso unbedrängt die knapp 18m² grandios verfehlte. Mit diesen Chancen lieferten die Christophs allerdings weiter Futter für die These, dass der VfL einfach seine Chancen nicht nutze und daher nun schon seit sieben Spielen ohne Sieg vor sich hin vegetiert. Immerhin kam am Ostersonntag keine Ausrede abhanden und so können Offizielle, Trainerstab und Spieler weiterhin ruhig darauf warten, dass das Glück irgendwann erzwungen wird und der Knoten platzt anstatt einzugestehen, dass mit dieser Mannschaft noch nicht einmal ein Blumentopf zu gewinnen ist.

Denn auch wenn sie zumindest bemüht war das Spiel zu gewinnen, fehlt es ihr dazu nicht nur an Können, sondern auch an dem unbedingten Willen. 3:3 Ecken in einem Heimspiel gegen die schwächste Mannschaft, die in diesem Jahr im Ruhrstadion gastierte, verdeutlichen auch, wie wenig Zug zum Tor die aktuelle VfL-Mannschaft besitzt und wie selten sie den Abschluss sucht. Bisweilen überwog das Gefühl, dass die Elf kein Tor erzielen wollte, sondern sehnsüchtig darauf wartete, dass ihnen jemand Kaffee und Kuchen auf das Spielfeld reichte. Kaffee und Kuchen hatten die Badener zwar nicht dabei, doch hätten sie beinahe zwei Ostereier in Andreas Luthes Nest versteckt, so dass man am Ende glücklich sein musste, dass das Geiere nach quälend langen 90 Minuten endlich vorbei war. Und ohne Gegentor endete. Nun bleibt zu hoffen, dass die verbleibenden fünf Spiele schnell vorbei gehen und endlich jene fußballlose Zeit im Sommer eintritt, die früher immer als sinnlos betrachtet wurde. Ker, lass die Scheiße endlich vorbei sein…

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