Verfasst von: Andreas Wiemers | 15. April 2012

2:2-Sieg

http://www.contrast.org/hillsborough/Nicht nur aufgrund der rasanten Talfahrt des VfL Bochum 1848 in den letzten Wochen, sondern auch ob des 23. Jahrestages der Hillsborough-Katastrophe wurde bereits der Weg zum Ruhrstadion Domina-Palast Anne Castroper mit einem mulmigen Gefühl beschritten. Denn exakt vor 23 Jahren starben nicht nur 96 Fußballfans des Liverpool F.C. Bisweilen lassen sich auch Parallelen zum heutigen Debattenverlauf ableiten, in dem Fußballfans als asoziales Pack hingestellt werden, das nur Ärger und Randale macht und für alle Ereignisse vermeintlich selbst verantwortlich ist, woraus seitens Politik, Polizei und Medien weitere Repressionen gegen die Fankultur abgeleitet werden. Bedauerlich, dass der VfL dieses Drama in der Geschichte des Fußballs noch nicht mal in den Vorberichten erwähnenswert fand. Aber darum soll es eigentlich gar nicht in diesem Blog gehen, sondern um den Versuch des VfL die Klasse in der Schweineliga zu halten.

Dass der Ernst die aktuelle Situation mit verursacht hat, ist in Bochum ein offenes Geheimnis. Dass eben dieser Ernst der Lage beim VfL bei Verantwortlichen und Spielern auch erkannt wurde, ist hingegen unter der Woche klar und deutlich unter anderem von Sportvorstand Jens Todt benannt worden. Insofern durfte man gespannt darauf warten, welche Reaktion die blau-weißen Vertreter auf dem Rasen aus diesem Erkenntnisgewinn ziehen würden.

VfL-Chefcoach Andreas Bergmann zog zumindest die richtige Konsequenz und setzte mit Daniel Ginczek und Niki Gelashvili die verbliebenen Offensivkräfte komplett ein. Und offenbar fand er vor dem Spiel auch die richtigen Worte, um zumindest die jungen Spieler wie Christoph Kramer, Jonas Acquistapace, Kevin Vogt, Hólmar Örn Eyjólfsson, Andreas Luthe und Ginczek auf das für den VfL so wichtige Spiel einzuschwören. Denn trotz aller fußballerischen Schwächen lebten sie den Mitspielern Einsatzwille und motivierende Körpersprache vor. Alternativ könnte es natürlich auch sein, dass sie der aus ihrer Sicht erfahreneren Dame in rot-schwarz zeigen wollten, gestandene Männer zu sein. Woran auch immer es nun lag, jedenfalls reichte es aus, um mit dem entsprechenden Willen die dringend notwendigen Tore für den VfL zu erzielen. Denn sowohl Ginzeks 1:0 als auch Vogts später Ausgleich zum 2:2-Sieg waren nicht etwa dem fußballerischen Können geschuldet, sondern begründeten sich einzig und allein in dem Willen, den Ball irgendwie im gegnerischen Netz zu versenken. Dennoch bleibt die VfL-Chancenverwertung ungenügend. Aber allein von dem Willen könnten sich der völlig neben der Spur stehende Gelashvili und der österreichische Totalversager Denis Berger eine Portion abschneiden. Jedoch besteht zumindest bei letztgenannten die realistische Chance, ihn gerade nach dem heutigen erneuten Komplettversagen nicht mehr im VfL-Trikot sehen zu müssen. Vermutlich würde er ebenso wenig vermisst wie der heute auf der Bank sitzende Kapitän.

Wie auch auf dem Feld gaben auch in der Kurve nicht alle 1848 Prozent für ihren VfL. Denn gerade jener Block, der sich selbst als Kern der VfL-Fanszene versteht, verweigerte gerade in den schwierigen Momenten im Spiel komplett den Support und hüllte sich stattdessen lieber in Schweigen. Lediglich die auf der Fanfreundschaft zum FC Bayern basierende Dauerfehde mit den Giesinger Bauern konnte zu einem Stimmungshoch in besagtem Block führen. Dennoch stand der Großteil der vermeintlich 10.132 Zuschauer bis zum Schluss zu der eigenen Elf und hat so vermutlich entscheidend mit dazu beigetragen, dass der VfL selbst in der 93. Spielminute nicht aufgab und zum völlig verdienten Ausgleichstreffer kam. Auch wenn der VfL trotz dieses gefühlten Sieges in der Tabelle weiter nach unten abgerutscht ist und er bei verbleibenden drei Partien nur sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hat, dürfte ausreichend Rückenwind für die Spiele gegen die direkten Konkurrenten aus Aue und Cottbus an diesem denkwürdigen 15. April entstanden sein. Zumindest redet Fan sich das sein und wünscht sich dies, um nicht erneut nach einem Spiel fix und fertig zu sein und erst mal einen Erholungsspaziergang zu brauchen…

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