Verfasst von: Andreas Wiemers | 23. April 2012

Propagandafeldzug

Dass der Kampf um den Klassenerhalt beim VfL Bochum 1848 in diesem Jahr länger als erwartet andauert, ist gerade in der Schweineliga ein Gefühl, an das sich vermutlich jeder VfL-Fan erst noch gewöhnen muss. Zwei Spieltage vor Schluss ist der selbsterklärte Aufstiegsaspirant immer noch nicht gerettet. Lediglich vier Pünktchen trennen den VfL vom Relegationsplatz in Richtung dritte Liga. Doch auch wenn der blau-weißeste aller Vereine diese sportliche Herausforderung erfolgreich beschreitet, ist damit der Klassenerhalt noch lange nicht unter Dach und Fach. Denn wenn die Bundesligen am 6. Mai enden, wird Anne Castroper noch bis zum 24. Mai um den Verbleib in der 2. Bundesliga kämpfen müssen. Bis zu diesem Datum muss der VfL die Bedingungen für die Lizenzerteilung erfüllen und ein Millionenloch stopfen – wie die WAZ betont sachlich darstellt. Es könnten also durchaus spannende Tage rund um das Stadioncenter werden.

Eigentlich führen so schwierige Situationen dazu, dass man zusammensteht und gemeinsam den Herausforderungen entgegentritt. Quasi eine interne Solidarisierungswelle. Doch Bochum wäre nicht Bochum, wenn auch nicht hier ein eigener Weg beschritten würde. Werden zum Beispiel die bisweilen absurden Lizenzbedingungen und -erteilungen der DFL kritisiert, kommt die Jammerkeule zum Vorschein. Wobei es derzeit für VfL-Fans angesichts von unterirdischen Leistungen, einer Verletztenmisere, der Tabellensituation, der Abstiegsangst und den Lizenzproblemen keinen besseren Moment geben könnte, um zu Jammern und in tiefe Depressionen zu verfallen. Einen gänzlich anderen Weg hat hingegen der VfL-Schreiberling des Reviersports eingeschlagen. Dieser beschwört weder den Zusammenhalt, noch jammert er. Stattdessen sieht er die Zeit für einen erneuten Propagandafeldzug gekommen. So der Tenor eines Artikels, den der Reviersport gestern Abend veröffentlichte und der zunächst dem sid die Autorenschaft zuschrieb. Inzwischen steht aber wenigstens jener Autor unter dem Pamphlet, dem diese Zeilen durch jeden VfL-Fan von vornherein zugeschrieben wurden.

So heißt es dort:

Endgültig vorbei scheinen die zumindest finanziell glorreichen Zeiten unter Werner Altegoer, als die alleinige Auflage der DFL darin bestand, nicht mehr auszugeben, als einzunehmen.

Welche glorreichen Zeiten der Autor dieser Zeilen meint, sei dahin gestellt. Vielleicht spielt er auf jenen Zeitraum an, in dem der VfL plötzlich absteigbar wurde und sechs Mal den Weg in die 2. Bundesliga gehen musste. Unstrittig ist, dass Altegoer dem VfL finanziell oft unter die Arme griff. Ebenso unstrittig ist aber auch, dass er dem VfL dieses Geld nicht geschenkt hat. Aber ebenso unstrittig ist die Tatsache, dass der Aufsichtsrat unter der Führung von Altegoer nach dem letzten Abstieg ein hohes finanzielles Risiko eingegangen ist und auf den direkten Wiederaufstieg gesetzt hat. Dieses gelang wiedererwartend nicht. Was blieb war ein weiteres Jahr zweite Liga, eine Anhäufung von Schulden und vom alten Aufsichtsrat und Sportvorstand zu verantwortende viel zu hoch dotierte Spielerverträge. Ein Novum für den VfL. Und ein Novum für die Verantwortlichen in Vorstand und Aufsichtsrat. Insofern verbietet es sich eigentlich, die aktuelle Situation mit früheren Jahren zu vergleichen. Aber Objektivität spielt keine Rolle, wenn man vergangenen Idolen nachtrauert und Stimmung schüren will.

Weiter heißt es:

Diesmal will die DFL bis Anfang Mai Bares sehen. Und das ist verständlich.

Wieso dies verständlich ist, lässt der Autor offen. Böswillig könnte auch unterstellt werden, dies sei den derzeit Verantwortlichen durch den Autor ausdrücklich gewünscht.

Dem neuen Aufsichtsrat ist es bislang nicht gelungen, in der Wirtschaft neue Geldquellen zu erschließen. Lediglich Stadtwerke-Boss Bernd Wilmert wird den Erwartungen, die an dieses neue Gremium geknüpft wurden, gerecht und hat sie sogar übertroffen.

Obgleich es in laufenden Spielzeiten unüblich ist, neue Geldquellen und Sponsoren zu präsentierten, unterschlägt der werte Autor u.a. den Deal mit den Westfalen-Tankstellen. Passt dies doch nicht in das düstere Bild, welches mit Buchstaben gezeichnet werden soll. Bewundernswert ist hingegen die Tatsache, dass der Geschäftsführer der Stadtwerke Bochum und VfL-Aufsichtsratsmitglied Bernd Wilmert an dieser Stelle positiv hervorgehoben wird. Vielleicht wird der Autor in einem Folgeartikel demnächst begründen, wieso von Wilmert Erwartungen erfüllt und sogar übertroffen wurden, wenn dessen Unternehmen ein Sponsoringvertrag mit dem VfL zu schlechteren Konditionen verlängert…

Hoffnungen, dass nach Werner Altegoers Demission Sponsoren dem VfL die Bude einrennen, erwiesen sich als Trugschluss. Ein paar wehende Fahnen in der Innenstadt und ein Dutzend neue Vereinsmitglieder helfen dem VfL nicht weiter.

Wo wer diese Hoffnungen zum Ausdruck gebracht hat, verschwindet leider im Nebel. Allerdings dürfte von einem erfahrenen Journalisten schon erwartet werden, dass er weiß wie Sponsoring funktioniert und dass Sponsoring nur interessant wird, wenn die Marke auch interessant ist. Und eben diese Marke wurde jahrelang zwischen den östlichen und westlichen Nachbarn von den eigenen, hochgelobten Akteuren klein geredet. Objektivität spielt wie bereits erwähnt jedoch keine Rolle. Nur sollte der Reviersport dann solche Äußerungen seiner Autoren auch als Kommentare kennzeichnen. Mit Berichterstattung hat so etwas nichts mehr zu tun.
Dass dem Autor dabei der Zusammenhalt zwischen Stadt und Verein (wehende Fahnen) und ein Mitgliederverein namens VfL Bochum nicht so wichtig sind, ist zweitrangig, spricht aber für sich. Und gegen ihn.

Aber so lange die Situation beim VfL noch zum Anlass genommen werden kann, dass Journalisten offene Rechnungen begleichen wollen, kann sie ja so ernst noch nicht sein. Hoffentlich.

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Responses

  1. […] Propagandafeldzug um den VfL Bochum (Lagerstätte) – […]


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