Verfasst von: Andreas Wiemers | 21. Mai 2012

Wir alle sind VfL

Weil wir nach dem letzten unrühmlichen Abstieg unseres VfL Bochum 1848 dringenden Veränderungsbedarf im Verein und seinem unmittelbaren Umfeld sahen, haben wir im Mai 2010 zu viert eine Fan-Initiative ins Leben gerufen. Auf der Grundlage eines Manifestes, das binnen weniger Tage von über 300 Einzelpersonen und Fanclubs quer durch die bunte Szene der VfL-Anhänger unterstützt wurde, haben wir uns mit folgenden Forderungen an die blau-weiße Öffentlichkeit und den VfL Bochum 1848 gewandt:

1. Wir fordern alle VfL-Fans auf, Mitglied des Vereins zu werden. Die Mitgliederversammlung muss ein breiteres Spektrum der Bochumer Anhängerschaft repräsentieren.

2. Wir wollen eine Öffnung und Demokratisierung der Vereinsstrukturen. Hierzu gehört unter anderem eine Satzungsänderung, die das auf Erhalt bestehender Strukturen angelegte Wahlverfahren aufbricht und die Einzelwahl der Aufsichtsratsmitglieder und seines Vorsitzenden ermöglicht. Wir fordern einen modern denkenden und für Innovationen aufgeschlossenen Aufsichtsrat.

3. Wir fordern den Aufsichtsrat auf, einen neuen Sportvorstand mit den genannten Kompetenzen und Befugnissen einzustellen, der ein klares Konzept für die sportliche Zukunft und zur Umsetzung des „Leitbilds“ erarbeitet.

4. Ein wesentlicher Teil dieses Konzepts muss ein Nachwuchsmodell sein, das dazu führt, dass der VfL in Zukunft mehr junge Talente aus den eigenen Reihen in seine erste Mannschaft integrieren kann.

5. Wir fordern eine offene VfL-Fankonferenz, auf der diese Konzepte vorgestellt und diskutiert werden.

Nun, zwei Jahre später, können wir feststellen, dass diese Ziele zu einem großen Teil umgesetzt wurden und der VfL Bochum 1848 einen Wandlungsprozess vollzieht.

Viele Fans sind Mitglieder geworden, um ihren Verein aktiv mit zu gestalten. Der VfL hat sich eine neue Satzung gegeben, die mitgliederfreundlicher ist und ein mehr an Mitwirkung zukünftig möglich macht. Auch das VfL-Mitgliederforum geht sicherlich auf die damaligen Impulse zurück und wir hoffen, dass dieses bislang bundesweit erste Mitgliederforum in Zukunft zu einer festen Einrichtung wird.

Zudem existiert ein neuer Aufsichtsrat, der vielleicht auch nicht immer alles richtig macht, aber gemeinsam mit Mitgliedern und Fans ein neues Denken in den Verein gebracht hat. Mit Jens Todt arbeitet nun beim VfL ein neuer Sportvorstand, der Ideen mit Leben füllen kann. Auch wenn es vermutlich primär finanzielle Gründe hat, spielen in der unserer ersten Mannschaft junge Spieler aus der eigenen Nachwuchsabteilung und der umliegenden Region, die für uns Fans identifikationsstiftend sein können. Auch hat der VfL seine Nachwuchsabteilung personell neu aufgestellt.

Die Initiative „Wir sind VfL“ war seit ihrer Gründung bemüht, den Dialog zwischen Fans und Verein über die bisherigen Gremien (wie die Fanclubvertreterversammlung) hinaus zu organisieren. Mit unseren selbst organisierten Fankonferenzen wurde ein Instrument geschaffen, um mehr Fans aktiv in Diskussionen einzubinden und die Kommunikationen innerhalb der Fanszene und zwischen Fans und Verein zu verbessern. Wir sind gespannt, ob Verein, Fanbetreuung und Fanvertretung im Aufsichtsrat diese vorhandene Struktur nutzen werden. Über den ursprünglichen Forderungskatalog hinaus haben wir Aufrufe initiiert, umgesetzt und so Beiträge dazu geleistet, dass das vermeintlich zu kritische Bochumer Publikum nun hoffentlich mit anderen Augen gesehen wird.

Wir sind der festen Überzeugung, dass der VfL mittelfristig von all dem auch deutlich erkennbarer profitieren wird. Dies setzt aber voraus, dass der eingeschlagene Weg konsequent weiter verfolgt wird. In einer bunten Fanszene liegt es jedoch auf der Hand, dass die Entwicklung des Vereins unterschiedlich beurteilt wird. Das gilt insbesondere dann, wenn es nicht so läuft, wie wir uns das alle gemeinsam wünschen. Gleichwohl verwahren wir uns dagegen, wenn nun einzelne Gruppen oder Personen der Initiative die Schuld an der aktuellen sportlichen und finanziellen Lage des Vereins zuschieben und uns in die alte Zeit zurück wünschen – ohne dabei die Ursachen der aktuellen Krise in genau dieser Zeit zu suchen.

Exakt zwei Jahre nach der Gründung von Wir sind VfL sehen wir nun keine Veranlassung, die Initiative künstlich am Leben zu erhalten. Daher beenden wir mit diesem Tage das Projekt und bedanken uns herzlich bei allen, die uns in dieser Zeit aktiv unterstützt, mit Rat und Tat zur Seite standen und mit ihrer konstruktiven Kritik die Arbeit begleitet haben. Allen anderen, die in diese Auflösung etwas hinein interpretieren wollen, wünschen wir viel Spaß dabei.

Sei es lautstark in der Kurve oder in Diskussionen, an denen wir mit unseren individuellen Meinungen natürlich auch zukünftig teilnehmen, werden wir den Veränderungsprozess beim VfL Bochum 1848 weiterhin aktiv unterstützen. Denn letztendlich gilt: Wir alle sind VfL!

Viele Grüße in blau und weiß,

Die Initiatoren von „Wir sind VfL“
Sebastian Enste
Ralf Koyro
Benjamin Mikfeld
Andreas Wiemers

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