Verfasst von: Andreas Wiemers | 15. September 2012

Der Spieler des Monats

Im ersten Spiel nach einer erneut harmonischen Jahreshauptversammlung des VfL Bochum 1848, in der noch nicht einmal der aktuelle Schuldenstand von 6,8 Millionen Euro für größeres Aufsehen sorgte, sondern lediglich Wortbeiträge einer CDU-Sprecherin und eines hemdsärmeligen Rechtsanwaltes zur Stimmung beitrugen, lud der VfL seine Fans zu einer Großwildsafari ins ehrwürdige Ruhrstadion ein. Also eine würdige Inauguration für den frisch gewählten neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Peter Villis, der in besagter Jahreshauptversammlung in die Fußstapfen von Ottokar Wüst und Werner Altegoer gewählt wurde. Amtsvorgänger und Übergangsmoderator Ernst-Otto Stüber trat nicht mehr an. Aber nun soll kein Wort mehr über diese „Politik“ fallen, die manchem VfL-Fan nicht mundet…

Stattdessen geht es zurück zum Spiel gegen die Giesinger Bauern, die sich an diesem Abend mit den Bochumer Jungen messen und nicht zum achten Mal in Folge den Platz gegen den VfL sieglos verlassen wollten. Dass dieses Vorhaben nicht aufging, lag vor allem an couragierten und spielfreudigen Bochumern, denen man endlich wieder die Lust am Fußball spielen anmerken konnte. Hinzu trat der Wille dieses Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. Zwei Komponenten, die beim VfL in den letzten Jahren selten gemeinsam vorkamen und sich oft wechselseitig vermissten. Doch gegen den TSV 1859+1 München hatten sich Spielwitz und Einsatzwille gefunden und verbrachten einen schönen Abend mit einander.

Es passte eigentlich vieles zusammen. Der VfL dominierte phasenweise die Münchener Mietzekätzchen, brachte die bayerische Defensive mit sehenswerten Kombinationen mehr als einmal in Bedrängnis, agierte tatsächlich aus einer sicheren Abwehr heraus und erspielte sich unzählige Torchancen. Und genau hier fängt das Problem an. Denn Torwart, Abwehr und Mittelfeld haben inzwischen gezeigt, dass schlechten Tagen auch gute folgen. Dies gilt aber nicht für den Sturm, in dem Slatko Dedic sich zwar stets bemüht, aber ebenso wenig Zielgenauigkeit an den Tag legt wie Andreas Luthe bei seinen Abschlägen. Daher ist es zwar schön anzusehen, was die Mannschaft bisweilen auf den grünen Rasen zaubert, mit erst drei Treffern – davon zwei in einem Spiel – nach fünf Begegnungen fehlt es dem Bochumer Spiel aber eindeutig an Effektivität und wirft zumindest die Frage nach einer personellen Veränderung im Sturm auf.

Aber personelle Veränderungen brauchen in Bochum Zeit. Das ist zumindest die einzige Kritik, die sich Chef-Trainer Andreas Bergmann nach dem gestrigen Spiel gefallen lassen muss. Zwar wechselte er artig Offensive gegen Offensive aus, allerdings kamen die Wechsel in der 86. und 90. Spielminute schlichtweg zu spät, um noch einen Überraschungsmoment für die Löwen-Abwehr zu generieren. Doch soll nach diesem schönen 0:0 gar nicht weiter gemeckert, sondern gelobt werden. Allen voran der oft kritisierte Marcel Maltritz, der als frisch gekürter Spieler des Monats Magic neuen Glanz verlieh. Wenn der VfL nun einfach nur noch die Bude trifft und das Frankfurter Syndikat endlich einmal Schiedsrichter durch die Lande schickt, die mit ihrem Verhalten nicht zu Beleidigungstiraden einladen, kann es ein goldener Herbst werden.

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