Verfasst von: Andreas Wiemers | 23. September 2012

Kaffeefahrt statt Safari

Was nach Safari klang, endete für den VfL Bochum 1848 in einer gemütlichen Kaffeefahrt nach Duisburg. Denn offenbar nahmen die VfL-Spieler den Stadionnamen zu wörtlich und schauten lieber ins Land bzw. auf die Zebras anstatt selbige zu jagen. Was bei der Löwenjagd noch nach Fußball mit Konzept und einer Idee aussah, entpuppte sich beim Zebrastreicheln zwar auch als Prinzip, bei dem jedoch der Zufall die Handschrift bestimmte.

Gerade nach dem Auftritt gegen die Giesinger Bauern stellt sich schon die Frage, unter welcher psychischen Krankheit die Blau-Weißen leiden, wenn sie nach einer guten Leistung erneut antreten müssen. Am unwahrscheinlichsten ist die Theorie, dass sie sich auf der Massagebank einer Lobotomie unterziehen müssen und sich daher einfach nicht mehr an den letzten Auftritt erinnern können. Insofern bleibt nur ein Fragenkanon offen, dessen Beantwortung vermutlich mehr Fachkompetenz als Laienphilosophie und Hobbypsychologie bedingt. Trauen sie sich einfach nicht und haben Angst vor der eigenen Courage? Haben sie kein Selbstvertrauen oder bauen sie sich selbst einfach zu viel Druck auf? Denn zu großen Respekt gegen zahnlose Zebras hätten die Bochumer spätestens ab der 30. Minute nicht mehr haben müssen, war doch ab diesem Zeitpunkt klar, dass der Meidericher Sportverein selbst die klarsten Torchancen nicht verwerten kann. Aber vielleicht liegt es dann aber doch am eigenen Unvermögen, wenn jeder zweite Ball in den gegnerischen Füßen landet oder der Spielaufbau mit hohen Bällen auf ein Mittelfeld forciert wird, in dem die 1,70m-Körpergröße so eben überschritten wird (Yusuke Tasaka: 172cm, Marc Rzatkowski: 171cm, Alexander Iashvili: 175cm). Vielleicht lässt sich die Nullnummer aber auch ganz trivial erklären und die blau-weißen Halbgötter haben sonntags um 13:30 Uhr ebenso wenig Lust Fußball zu spielen wie ich mich zu einem ordentlichen Support zwingen kann, wo doch Kaffee, Kuchen und Sofa mehr als nur leise Stimmen in hinteren Gehirnwindungen sind.

Aber an einem Spieltag, an dem der VfL nicht nur zwei Punkte verloren, sondern auch einen Punkt gewonnen hat, soll nicht nur gemeckert werden. So spielte der VfL zum dritten Mal in Folge zu Null und zumindest ad hoc fällt dem Autor dieser Zeilen keine ähnlich erfolgreiche Serie ein. Insofern macht es Sinn, sich an den kleinen Dingen zu erfreuen. Wie auch der Umstand, dass Cheftrainer Andreas Bergmann bereits in der 60. Spielminute die ersten Wechsel vollzog und mit Slawo Freier und Nika Gelashvili tatsächlich ein wenig Leben in das blau-weiße Spiel einhauchte. Der VfL kam wiedererwartend doch noch zu guten Torchancen, die er aber kläglich zu vergeben wusste und erneut die Frage nach der Effektivität und Abschlussqualität im Bochumer Kader mit sich bringt. Da aber die strenge Regel „Bis repetita non placent!“ gilt, soll auf diesem Missstand an dieser Stelle nicht erneut rumgeritten werden.

Während also das Spiel mehr oder minder emotionslos zu Ende ging, sorgte zumindest die gute Bundespolizei bei der Heimreise für ein wenig Unterhaltung und sperrte mal eben die komplette Schlenker-S-Bahnstation für den Bochumer Pöbel ab, den man geschlossen in der Unterführung warten lies, um dann die aufgestaute Masse von gut 600 Personen durch einen für diese Menge viel zu kleinen und schlecht beleuchteten Tunnel die Treppen zum Gleis erklimmen zu lassen. Interessanterweise öffnete die Bundespolizei diesen Zugang auch erst, nach dem von hinten ordentlich Druck auf die vorderen Reihen erzeugt wurde und der kameraführende Beamte vermutlich Sorge um sein kostspieliges Spielzeug bekam. In Duisburg wird also an bekannten Konzepten festgehalten und unterstrichen, dass das „ab sofort geltende bundesweite ‚Nationale Konzept für Sport und Sicherheit'“ aktuell lediglich ein Papierfüller ist. Es macht auch deutlich mehr Sinn, das Vieh erst mal zusammen zu treiben und mit dem Sonderzug nach Bochum abzutransportieren. Das nennt sich dann offenbar „attraktive Reisemöglichkeit“ und anstatt darüber zu meckern, sollte der Dank im Vordergrund stehen, einen Zug gestellt zu bekommen, der einen direkt nach Bochum bringt. Auch wenn man da gar nicht hin will und aufgrund der polizeilichen Maßnahme vom regulären öffentlichen Personennahverkehr erst einmal ausgegrenzt wird…

Advertisements

Responses

  1. […] Kaffeefahrt statt Safari (Andreas Wiemers: Lagerstätte) – Was nach Safari klang, endete für den VfL Bochum 1848 in einer gemütlichen Kaffeefahrt nach Duisburg. Denn offenbar nahmen die VfL-Spieler den Stadionnamen zu wörtlich und schauten lieber ins Land bzw. auf die Zebras anstatt selbige zu jagen. […]


Kategorien