Verfasst von: Andreas Wiemers | 27. September 2012

Wir müssen das gescheiter machen eh‘ uns des Lebens Freude flieht

Im Grunde hätte die Zweitligapremiere der Begegnung VfL Bochum 1848 gegen den Fußballverein aus jener Stadt, die neben Fritz Walter auch noch NS-Politiker wie Adolf Hitler, Wilhelm Frick und Josef Bürckel als Ehrenbürger führt, schon vor Spielbeginn etwas Besonderes werden können. Doch hatte der DFB kurzerhand etwas dagegen, dass in Block A zur Feier des Flutlichtspiels Wunderkerzen angezündet werden und somit eine weitere gefährliche Pyro-Show in Deutschlands Stadien zur besten Sendezeit aufgeführt wird. Während der VfL, Feuerwehr und Polizei grünes Licht gaben, untersagte das Frankfurter Syndikat also die Choreografie und bewies somit einmal mehr, wie wenig die grauen Herren in ihren grauen Anzüge aus der Otto-Fleck-Schneise mit der Lebenswirklichkeit von Fans und dem Fußballsport im Allgemeinen noch zu tun haben. Denn das Problem des deutschen Fußballs, von dem der Boulevardjournalismus so gerne berichtet, steht nicht in der Kurve, es sitzt in Frankfurt-Niederrad. Aber das ist ein anderer Brandherd, um den es eigentlich hier jetzt nicht gehen soll…

Anstatt der geballten, verbotenen Wunderkerzen in Block A fackelten die gefährlichen pyrotechnischen Gegenstände breit gefächert in der Ostkurve auf während A mit einem süffisanten Banner auf die Kräfteverhältnisse in der Schweineliga einging. Genutzt hat beides sportlich leider nichts. Denn bei der Zweitligapremiere gegen den Lieblingsclub des gescheiterten SPD-Vorsitzenden hatte der VfL ebenso wenig Siegchancen wie Teufel-Oberfan Kurt Beck damals auf eine Kandidatur als Kanzlerkandidat. Zwar sah das VfL-Spiel bisweilen ganz nett aus, aber dass tut Heidi Klum auch – ohne das der VfL auch nur ansatzweise davon profitiert.

An diesem Montag, der eigentlich ein Donnerstag war, wurde dem VfL, der im Grunde bei diesem Heimspiel auf maximal auf zwei Torchancen kam, die eigenen Schwächen deutlich vor Augen geführt. Denn nach wie vor liegt das Hauptproblem im Sturm, in dem mit Slatko Dedic ein vermeintlicher Stürmer permanent aufgeboten wird, der mit Torgefährlichkeit so viel am Hut hat wie ich mit Mathematik-Klausuren: ich schrieb immer mit, er läuft immer mit. Davon kaufen konnten wir uns beide bislang nichts. Das blau-weiße Unvermögen könnte natürlich auch an DFB-Mann Harm Osmers aus dem ältesten Gewerbe der Welt festgemacht werden, wäre dies aber eine zu große Ausredeoption für Spieler- und Trainerstab. Allerdings birgt dieses hausgemachte Unvermögen nicht immer die gleichen Konsequenzen wie ein (!) Fehler von Florian Brügmann im Spiel gegen Ahlen, der seit dem allenfalls noch das Trikot beim Warmlaufen anschwitzen darf. Wird dieser Bewertungs- bzw. Strafmaß auf Brügmanns Vertreter Mounir Chaftar angewandt, hätte dieser aus Duisburg nackig über die A40 zurücklaufen müssen um heute als Balljunge fungieren zu können. Stattdessen stand er aber in der Startelf. Und spielte durch.

Letztendlich bleibt am Ende ein durchaus verdienter Sieg der Teufel aus der Pfalz und für den VfL Mephistoteles Warnung „Wir müssen das gescheiter machen eh‘ uns des Lebens Freude flieht“ nicht nur in sportlicher Hinsicht sondern auch mit Blick auf das VfL-Geschäftsbahren, das inzwischen Verträge mit dem Schwarzmarkthändler schlechthin abschließt [und das am besten im Rahmen von Pflichtspielen verkündet damit es möglichst wenige registrieren] und dies auch noch als Erfolg für alle VfL-Fans verkauft. Aber schön reden ist in Bochum keine unbekannte Fähigkeit. Selbst wenn man absteigt, nicht aufsteigt oder die eigenen Fans bei den Tickets mit viagogo über den Tisch zieht. Insofern passt auch die vermeintliche Fanarbeitsgruppe gut ins (Sicherheits-)Konzept, die beim VfL erst am 6. November gewählt werden soll während die Vereine nur bis zum 22. Oktober Zeit haben, um zu dem Konzept Stellung zu beziehen, das bereits am 12. Dezember in der Liga-Vollversammlung beschlossen werden soll. Aber Hauptsache es sieht gut aus. Wie Heidi Klum. Von daher ist es auch zu verschmerzen, nur einen Punkt aus zwei Spielen geholt zu haben. Und es folgt Ingolstadt. Zu Hause. Stehplatztickets (im Original für elf Euro) für dieses Spiel gibt es übrigens bei viagogo noch für 45,06 Euro.

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