Verfasst von: Andreas Wiemers | 30. September 2012

Wo bleibt die Wut im Bauch?

Neun Punkte hätte der VfL Bochum 1848 innerhalb von nur sieben Tagen in zwei Heimspielen und einem Gastauftritt beim amtierenden Tabellenletzten holen können sollen und sich so zumindest mittelfristig in der oberen Tabellenhälfte etablieren können. Doch bekanntlich ging der Plan nicht auf. Sieben Punkte hat der VfL in den drei Begegnungen verloren. Bevor es nun zum Tabellenführer nach Braunschweig geht und danach der Besuch der alten Dame erfolgt, dümpelt der Blau-weißeste aller Vereine mit vier Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz in der unteren Tabellenhälfte rum.

Dabei wäre theoretisch vor allem gegen die Audi-Betriebssportgruppe deutlich mehr drin gewesen als ein mageres Pünktchen. Denn nach dem Führungstreffer in der 9. Minute beschränkten sich die Schanzer auf das Nötigste und begannen, den Vorsprung über die Zeit spielen zu wollen. Dies wäre gegen einen VfL, der zwar mehr Ballbesitz hatte aber von der Körpersprache eher an Altherrenfußball erinnerte, auch beinahe gelungen. Denn Bochums Spielaufbau nach der Balleroberung ließ den Fans ausreichend Zeit, gemütlich ein Bier zu holen und den dann erfolgten Torabschlussversuch wieder in der Kurve sehen zu können. Zwar wirkte die Mannschaft stets bemüht, gleichzeitig aber auch gehemmt, so dass sich der Eindruck aufdrängt, ihr fehle entweder der nötige absolute Wille oder der Glaube an sich selbst. Auch die im Spiel entstehenden Emotionen hauchten der Mannschaft nur bedingt Leben ein. Es wirkte stets wie Dienst nach Vorschrift und dies macht deutlich, dass dem VfL ein Spieler fehlt, der Vorschriften auch mal verletzt und seine Kollegen mitreißen kann. Ein Spieler, der nicht so nett ist wie die zehn anderen und die Frage beantwortet, wo als Spieler eigentlich die Wut im Bauch bleibt, wenn der Gegner einen verarschen will.

Gründe sich mitreißen zu lassen und die eigentlich aufgestaute Wut zu kanalisieren, gab es in diesem Spiel mehr als genug. Seien es die beiden nicht gegeben Elfmeter, die die These unterstreichen, der VfL kriegt frühestens einen Elfmeter, wenn die Gliedmaßen neben dem gefoulten Spieler liegen, oder aber das unsägliche Zeitspiel der feinen Ingolstädter Gesellschaft. Selten ist eine Mannschaft mit einem derart großen Arschlochfaktor im Ruhrstadion aufgetreten. Denn als der VfL den Ansatz einer Sturm- und Drangphase entwickelte, nahmen die Ingolstädter mit allen erdenklichen Mitteln das aufkeimende Tempo wieder aus dem Spiel und brachten den VfL erneut aus dem Tritt. Wie wörtlich dieses aus dem Tritt bringen zu nehmen war, zeigte FCI-Keeper Özcan in dem er Alexander Iashvili die Torchance klaute. Der fällige Pfiff blieb zwar aus, aber wenigstens verletzte sich der Übeltäter bei der Aktion und musste kurze Zeit später ausgewechselt werden. Den neuen Keeper schoss dann Slawo Freier netterweise erstmal warm bevor man ihn prüfte.

Dennoch kam der VfL durch Florian Brügmann – ohne den das Spiel vermutlich 0:0 ausgegangen wäre – in der 85. Spielminute zum verdienten Ausgleich. Wobei verdient hier neu definiert werden muss. Denn der VfL war nicht die spielerisch bessere Mannschaft, er investierte nur deutlich mehr und bestrafte so die Ingolstädter Arroganz und ihren Versuch, den Vorsprung 45. Minuten lang runterzuspielen.

Letztendlich muss man also froh sein, überhaupt noch zwei Punkte in der englischen Woche geholt zu haben und wenn das Spiel ohne Ball mit samt der Körpersprache sich nicht gravierend ändern, bleiben es auch erst mal die letzten beiden Punkte für die kommenden Wochen. Aber als VfL-Fan wird man ja bescheiden, freut sich über einen Punkt und wartet weiter auf den Umbruch. Und wartet. Und wartet.

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Responses

  1. […] haben es schwer im Moment und so hat man als solcher nicht mal Wut im Bauch nach so einer Woche, wie Andreas Wiemers beschreibt. Letztendlich muss man also froh sein, überhaupt noch zwei Punkte in der englischen Woche geholt […]


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