Verfasst von: Andreas Wiemers | 1. Oktober 2012

Ein moralisches Angebot?

Auf breites mediales Interesse stießen vor gut zwei Wochen ein Maßnahmepaket und ein Fahrplan zur Umsetzung eines Sicherheitskonzeptes, das durch die DFL vorgestellt wurde. Immerhin sieben Praktiker aus dem Ligaverband haben sich umfangreiche Gedanken gemacht, wie Fußballspiele zukünftig noch sicherer als das Münchener Oktoberfest werden sollen. Bis zum 22. Oktober können sich die Vereine nun zu den präsentierten Punkten äußern, um auf der letzten Versammlung des Ligaverbandes in diesem Jahr am 12. Dezember 2012 Fakten zu schaffen, mit denen dann auf die Fans zugegangen werden. So soll Dialogbereitschaft signalisiert werden.

Diese Dialogbereitschaft wird seitens der DFL groß geschrieben und in blumigen Worten bekannt:

Das Konzept trägt der Tatsache Rechnung, dass ein ehrlicher Dialog mit den Fans für ein friedliches Miteinander unverzichtbar ist, Liga und Clubs ihrerseits aber mit größtmöglicher Konsequenz die Voraussetzungen für einen sicheren Stadionbesuch zu gewährleisten haben.

Und damit auch ja niemand glaubt, die DFL führe etwas Böses im Schilde, folgt dem Bekenntnis zur Dialogbereitschaft direkt das Bekenntnis zur einzigartigen Fankultur, die ebenso wie die Stehplätze erhalten werden sollen. Blöd ist dabei nur, dass das 32-seitige Sicherheitskonzept, bei dem die Fans mitgenommen werden sollen, derzeit offenbar noch Verschlusssache ist (zumindest ist es im World Wide Web nicht auffindbar), dessen Inhalte nur punktuell über die Medienberichterstattung zu den Fans durchdringen und diese sich die Details aus diversen Artikeln zusammen suchen können.

Dabei soll doch nach eigenen Worten ein ehrlicher Dialog mit den Fans angestrebt werden. Aber den gibt es wohl erst, wenn das Konzept und Dach und Fach ist und die Fans damit konfrontiert werden können. Denn Dialog heißt im Grunde ja auch nur, dass miteinander geredet wird. Nicht das mitgewirkt wird. Und geredet werden soll dann vermutlich ab dem 13. Dezember. So gibt das Sicherheitskonzept nämlich vor, dass die Vereine auf „freiwilliger Basis mit ihren Anhängern einen Verhaltenskodex erarbeiten sollen„. Dass sich dieser Kodex an dem vorher festgelegten Sicherheitskonzept orientieren soll und wird, versteht sich dabei von selbst. So muss unter anderem auch der Verzicht auf Gewalt und auf Pyrotechnik festgeschrieben werden. Während der Gewaltverzicht eine Selbstverständlichkeit ist, darf gespannt beobachtet werden, wie diverse Fangruppierungen darauf reagieren, dass ihre Emotionen nicht respektiert werden. Viel Wahlfreiheit haben sie bei diesem „ehrlichen Dialog“ über den Verhaltenskodex allerdings nicht. Denn, so heißt es weiter in dem Sicherheitskonzept, den Fanclubs, die „den erarbeiteten Verhaltenskodex nicht unterschreiben, sollen keine Eintrittskarten mehr erhalten. Vorher sollen ihnen mögliche Privilegien, wie Banner oder einzelne Räume im Stadion, entzogen werden„. Bei so viel Entscheidungsfreiheit kann so manch einer es sicherlich kaum noch abwarten in den Dialog miteinander zu treten und es stellt sich die Frage, was an der Erarbeitung des Verhaltenskodexes noch freiwillig ist.

Darüber hinaus sollen gemäß Sicherheitskonzept die Dauer von Stadionverboten von drei auf wieder fünf Jahre verlängert werden. Außerdem drohen bei wiederholten Krawallen während Auswärtsspielen für weitere Gastspiele des jeweiligen Vereins Kürzungen von Kartenkontingenten von zehn auf fünf Prozent sowie die Streichung sämtlicher Stehplatz-Tickets. Und damit die DFL und die Sicherheitskräfte all diese Fehlverhalten in den Stadien auch noch besser ahnden können, sollen natürlich auch moderne Videosysteme eingeführt werden. Vielleicht am besten noch wie von einem CDU-Innenminister gefordert mit automatischer Gesichtserkennung, verkürzt dies doch sicherlich den Fahndungszeitraum. Damit die Arbeit der Fanprojekte vor Ort noch besser beeinflusst werden kann, gibt sich die DFL vermeintlich generös und will ihren Zuschuss für die Fanprojekte im Rahmen der Drittelfinanzierung auf 50 Prozent erhöhen. Und wenn das ganze Maßnahmepaket nichts nützt, um die ohnehin sinkende Zahl der Straftaten beim Fußball noch weiter zu reduzieren, geht es dann an des Fans liebstem Kind, ihrem Verein, dem bei Verletzung der Sicherheitsvorschriften Vertragsstrafen bei der Lizenzierung oder die komplette Einbehaltung der auszuschüttenden Fernsehgelder drohen. Wohl dem Verein, der all dies unterschreibt.

Da kommt doch direkt Freude und Sehnsucht nach dem ehrlichen Dialog auf, oder nicht? Nur gut, dass sich die DFL so populistischen Forderungen wie Fußfesseln und Nacktscannern nicht anschließt…

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Responses

  1. […] Ein moralisches Angebot? (Lagerstätte) – Zum geplanten Sicherheitskonzept der DFL für den Bundesliga-Fußball. […]

  2. […] Unser aller liebstes Fußballgeschäft in deutschen Landen wird veranstaltet durch DFB und DFL und die sorgen in letzter Zeit immer wieder für Gesprächsstoff. Ob nun das Vorgehen gegen bestimmte Plakate in Stadien oder die Erstellung neuer Sicherheitskonzepte zusammen mit uns allen. Andreas Wiemers über ein moralisches Angebot. […]


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