Verfasst von: Andreas Wiemers | 23. November 2012

Kein Ende in Sicht

Wie viel so ein 5:2-Heimsieg gegen Sandhausen wert sein kann, zeigte der VfL Bochum 1848 direkt im nächsten Auswärtsspiel bei dem ersten Kölner Fußballclub. Nach der grandiosen Aufholjagd mit schön heraus gespielten Toren im heimischen Ruhrstadion strotzte der VfL im fernen Rheinland nur so vor Selbstvertrauen und Spielwitz. Auch die Abwehr stand prächtig und konnte Sicherheit aus dem Umstand ableiten, nun schon mehr als 45 Minuten ohne Gegentor zu sein. Und weil der VfL ganze vier Spiele in Folge nicht mehr verloren hatte, konnte er in Köln auch ganz befreit aufspielen und dem nächsten Dreier nachjagen.

All dies funktionierte die ersten 20 Sekunden des Spiels auch perfekt. Der VfL hatte den FC in dieser Zeit komplett unter Kontrolle. Es war also nur noch eine Frage der Zeit, bis der VfL wenn schon nicht den zweiten Sieg in Folge, so doch wenigstens einen Punkt in der Fremde stehlen konnte. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Wer hatte auch schon ahnen können, dass VfL-Coach Karsten Neitzel im Sinne der Chancengleichheit ohne Torhüter und ohne Außenverteidiger spielen ließ. Und Schelm-Neitzel ging sogar noch weiter: Wenige Minuten vor Anpfiff gab er Mounir Chaftar die Freigabe, damit Jens Todt diesen in einer Nacht- und Regenaktion zum FC transferieren konnte. Damit dieser Verstoß gegen die Transferrichtlinien allerdings nicht auffiel, wurde der einzig mögliche Weg gewählt, der in einer solchen Situation möglich ist: Chaftar lief zwar in blau-weiß auf, führte sich aber unmittelbar ins karnevalistische Kollektiv ein und sorgte mit vermeintlichen fußballerischen Unzulänglichkeiten für erste Kölner Chancen, die der FC dann auch in der elften Spielminute mangels VfL-Torhüter nutzen konnte. Lediglich Innenverteidiger Marcel Maltritz schien nichts von dem großem Wurf gewusst zu haben und versuchte noch den Gegentreffer zu verhindern. Aber gegen einen so gut ausgeklügelten Plan war auch er machtlos.

Gut, dass der Vertreter des Frankfurter Syndikats Maltritz Fehlverhalten unmittelbar mit Gelb ahndete, damit dieser erst gar nicht weiter versucht, sich der drohenden Niederlage entgegen zu stellen. Sonst wäre der FC nach zwei, drei Bochumer Alibiangriffen und -abschlüssen womöglich auch nicht direkt mit 2:0 in Führung und in die Pause gegangen. Und allein dieses Gegentor unterstrich erneut, wie viel es beim Fußball wert sein kann, die Position zwischen den Pfosten auch zu besetzen und nicht vakant zu lassen. Vielleicht lernt man dies in Bochum ja auch. Noch.

Natürlich folgte auf den Pausentee kein VfL-Aufbäumen mehr. Damit das Spiel nicht gänzlich langweilig wurde, beschränkte sich der FC aufs verwalten und wartete auf Bochumer Fehler, die dann auch zum 3:0-Endstand genutzt wurden. Zwischendurch durften die blau-weißen Helden Versager auch ein wenig kombinieren und heuchelten so ihrem Anhang vor, alles versucht zu haben. Doch es wird wohl mehr als einen unter den zahlreich enttäuschten Bochumern geben, die in der 85. Spielminute das Stadion verließen und eben dies der Mannschaft nicht mehr abnehmen wollten und konnten. Aber immerhin mussten sich die vielen mitgereisten VfL-Anhänger beim Verlassen des Stadions – im Gegensatz zum Betreten – nicht mehr von Hunden beschnüffeln lassen. Denn Punkte hatten sie keine eingesackt. Noch nicht mal klammheimlich….

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