Verfasst von: Andreas Wiemers | 27. November 2012

Der VfL ist tot! Es lebe der VfL?

Während die armen Schweine in der 1. Bundesliga bis 20:00 Uhr warten mussten, um endlich den Anstoß der englischen Woche erleben zu dürfen, brauchten die Zweitligisten nur bis 17:30 Uhr ausharren, um zu familien- und arbeitnehmerfreundlichen Zeiten das Grundbedürfnis befriedigen zu können. Es hat also doch Vorteile der Schweineliga anzugehören. Denn nicht nur, dass es früher los geht und man nicht lange ungeduldig warten muss, man ist auch früher wieder zu Hause und hat deutlich mehr Zeit, die stadionbedingten Nebenwirkungen zu heilen und kann dafür Sorge tragen, dass die Augenringe zumindest nicht tiefer werden. Fit wie ein Turnschuh – zumindest körperlich – kann der VfL-Fan morgen also ausgeruht dem Broterwerb nachgehen, während rot-weiße, königsblau-weiße und schwarz-gelbe in den Seilen hängen.

Schade nur, dass es beim Fandasein nicht nur um das körperliche Wohlbefinden geht. Denn darauf kann man als VfL-Fan derzeit getrost scheißen, wenn man sieht, wie eine Frankfurter Vororttruppe einen im eigenem Stadion dominiert und Katz und Maus mit jenen elf Personen spielen, die unsere Farben nur noch tragen, weil sie für ein Spiel so viel Geld kriegen, wie viele Ostkurvenbesucher noch nicht mal in einem Jahr verdienen.

Doch soll Materielles an dieser Stelle nicht zählen. Denn für die elf Versager reicht es schon aus, wenn der Gegner in roten Trikots mit güldener Beschriftung im Ruhrstadion auftritt. Schon gibt sich der glorreiche VfL Bochum 1848 dem vermeintlichen grandiosen FC Bayern willenlos ergeben. Blöd nur, dass nicht Spieler wie Ribery und Schweinsteiger auf dem Spielberichtsbogen standen, sondern so lokale Größe wie Nils Teixeira und Edmond Kapllani, vor denen noch nicht einmal so eine Heulsuse wie Ronaldo Respekt hat.

Dennoch war es konsequent, wie feige der VfL im heimischen Rund gegen die Helden aus Bornheim angetreten ist. Vor Bornheim zittert ja auch ganz Europa. Oder zumindest vor Moses Pelheim wie dieser vor den Raabschen Anwälten. Und wenn der VfL dann auch noch mit unter Spielpraxis leidenden Spielern wie Florian Brügmann antreten muss und mit Alexander Iashvili zudem einen Spieler in den eigenen Reihen hat, der schon allein aus körperlichen Gründen nicht mehr in der Lage sein sollte, permanent ins Abseits zu laufen, ist die Messe im Grunde gelesen. Allenfalls eine blau-weiße Liturgie ist dann noch zu erwarten. Entsprechend offenbarte gerade die zweite Halbzeit, dass es nicht an Iashvili lag, sondern generell der Tatsache „Anspielstation in der gegnerischen Hälfte“ geschuldet war. Denn so ein VfL-Spieler tatsächlich einmal anspielbereit war, war ebenso sicher davon auszugehen, dass er im Abseits stand.

Das VfL-Spiel ohne Ball ist selbst eines Kreisligisten nicht würdig. Und selbst in solchen Mannschaften gibt es mindestens einen Spieler, der bereit ist Verantwortung zu übernehmen. Im Gegensatz zum VfL, wo sich ein jeder hinter dem anderen versteckt und so ein Alibi für jede Niederlage generiert. Es ist niederschmetternd mit anzusehen, dass jeder der vermeintlich 8.365 Zuschauer mehr Herzblut an den Tag legt wie diese Möchtegernfußballer, die offenbar nicht einmal mehr wissen, welche Vereinsfarben sie über das Spielfeld spazieren tragen. Lebloser hat sich noch keine Mannschaft in Bochum präsentiert und selbst unter dem verhassten Schweizer war mehr Leben in der Bude als ihn diese elf Versager jemals hervor rufen können. Allein diese Erkenntnis gleicht einer Stunde professioneller Erniedrigung auf dem Eierberg…

Der VfL ist tot und es tut einfach nur noch weh, jedes Wochenende erneut Gast bei seiner Beerdigung zu sein und zu erleben wie der einst unbeugsame VfL jedes Wochenende aufs Neue zu Grabe getragen wird. Während gemäß der Heroldsformel nach verstorbenen Königen stets ein Neuer ausgerufen wurde, werden in Bochum nur noch Sargnägel gesucht und gefunden. Ein Haufen charakterloser Festgeldempfänger trägt schwarz anstatt blau-weiß. Entfremdung statt Identifikation. Oder wie sagten schon die Cree: „Und wenn der letzte blau-weiße Mann aus dem Ruhrstadion verschwunden und die Erinnerung an ihn zur Legende geworden ist, dann werden diese Gestade übervoll sein von den unsichtbaren Toten dieses Stammes, …dann wimmeln sie von den wiederkehrenden Scharen, die einst dieses Stadion bevölkerten und es immer noch lieben.“ Oder so ähnlich. Der VfL ist tot. Es lebe der VfL. Fragt sich, ob er noch mal zu Leben anfängt… Denn eine neue Liebe für ein neues Leben empfinden die Söldner allenfalls beim nächsten wohldotierten Vertrag. Bis zur nächsten Schambeinentzündung…

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