Verfasst von: Andreas Wiemers | 11. Dezember 2012

12.12.12: Die Mär von den kritischen Bochumer Fans…

Nun hat der VfL Bochum 1848 also neben einem Fanbeauftragten, einem Fanvertreter im Aufsichtsrat auch ein Fangremium, in dem ehrenamtliche Fans mit hauptamtlichen Fans über Faninteressen diskutieren sollen und Fanbelange noch besser in die Vereinsgremien hinein tragen sollen. Direkt nach der Wahl stand die erste Herausforderung für dieses neue Gremium unmittelbar auf der Tagesordnung: Es sollte eine Position zu dem DFL-Sicherheitspaket erarbeitet werden. Zwar konnte noch eine ablehnende Meinung zu dem Ursprungspaket gefunden werden, was aber zu den konkreten Anträgen nun formuliert wurde, die morgen bzw. am 12.12.12 – also an einem Tag, den andere Leute zum Heiraten nutzen, wird fleißig am Grab der Fankultur geschaufelt – auf der Mitgliederversammlung der DFL verabschiedet werden sollen, kann nur als große Enttäuschung bezeichnet werden.

Herrschte auf der letzten Fanclubvertreterversammlung, in der das Gremium gewählt wurde, die mehrheitliche Meinung, das Vollkontrollen abzulehnen sind, hat das Gremium nun Vorgaben formuliert und VfL-Vorstand Ansgar Schwenken mit auf dem Weg gegeben, unter denen Vollkontrollen dann doch akzeptabel wären. So bestehen also VfL-Fans nun darauf, dass bei Vollkontrollen, oh Verzeihung: natürlich bei „erweiterten Personenkontrollen – denn ebenso wenig wie niemand die Absicht hatte eine Mauer zu bauen, beabsichtigt auch niemand Vollkontrollen durchzuführen -, Vereinsvertreter dabei sein sollen, um „ggf. unabhängige Zeugen für das Vorgehen“ zu haben. Zudem erwarten VfL-Fans, dass solche „erweiterten Personenkontrollen“ vorab den Gästefans angekündigt werden, damit diese entscheiden können, ob sie nun anreisen und dieses Prozedere über sich ergehen lassen wollen. „Ich glaub es hackt!“ hat eine nicht ganz unbekannte Sängerin in einem anderen Kontext festgestellt. Aber diese Schlussfolgerung wäre auch hier angemessen. Sollten diese Änderungs“wünsche“ – Ata Lameck sei Dank hat man dies nicht in einem konkreten Änderungsantrag manifestiert -, tatsächlich in den Beschlüssen berücksichtigt werden, kann nur zum Bärendienst an der Fankultur gratuliert werden. Denn während andernorts diese Maßnahmen nach wie vor abglehnt werden, liefert das VfL-Fangremium den Befürwortern Orwell’schem Sicherheitswahns nun Argumente, dass die Fanszene unter Umständen doch bereit wäre, sich unangemessen befummeln und begutachten zu lassen. Und wer nicht dazu bereit ist, kann ja durch eine vorherige Ankündigung solcher Maßnahmen mit dem Allerwertesten zu Hause bleiben. Eine unausgesprochene Einladung an alle Vereine, solche Maßnahmen zur Standardkontrolle zu machen.

Dass sich das Fangremium zu den weiteren Anträgen wie Ticketkontigentreduzierungen, Festlegung von Risikospielen und der Weiterentwicklung der DFB-„Gerichts“barkeit keine Meinung gebildet hat, ist vermutlich nur der mangelnden Zeit geschuldet, aber angesichts der Meinungsbildung zu den erweiterten Personenkontrollen vermutlich auch besser so. Einen Vorteil hat das ganze aber schon: Mit der Mär von den kritischen Bochumer Fans dürfte nach dieser Positionierung nun ein für alle mal Schluss sein…Wobei wir sagte der Kriminologe Prof. Thomas Feltes heute: Die Macht der Fans wird völlig unterschätzt.

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Responses

  1. Links anne Ruhr (12.12.2012)…

    Bochum: Tag eins nach der Opel-Entscheidung: Bochum zwischen Mut und Resignation (RP-Online) – Dortmund: Der Haushalt schimmert Rot-Grün (WR.de) – Bochum: Weitere Zusammenarbeit? Sascha Hellen bekam fast eine Million Euro von den Stadt…


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