Verfasst von: Andreas Wiemers | 9. Januar 2013

Mach’s gut, Werner Altegoer!

altegoerEs gibt Meldungen, die trotz weniger Worte zwei Mal gelesen werden müssen, um deren Inhalt zu realisieren. Eine dieser Meldungen war die von Sport1 um 13:03 Uhr verbreitete traurige Neuigkeit, dass Werner Altegoer verstorben sei. Binnen weniger Monate hat der VfL Bochum 1848 mit Ottokar Wüst und Werner Altegoer zwei Personen verloren, die 44 Jahre lang die Geschicke des VfL mehr oder minder erfolgreich gelenkt, den VfL in den deutschen Profifußball geführt und ihn dort auch gehalten haben.

Hatte Ottokar Wüst noch das Glück keinen sportlichen Abstieg in seiner Präsidentschaft erleben müssen, erteilte dieser sportliche Rückschlag Werner Altegoer ganze sechs Mal. Am letzten Abstieg knabbert der blau-weißeste aller Vereine immer noch. Doch auch wenn der VfL Bochum 1848 sportlich unter Altegoer die Fortuna nicht immer an seiner Seite hatte, stand dem VfL mit Werner Altegoer ein Präsident und später Aufsichtsratsvorsitzender vor, der den Verein mehr als nur einmal das Leben im wahrsten Sinne des Wortes auch unter Einsatz persönlicher finanzieller Risiken rettete.

Ohne Werner Altegoer würde es den VfL Bochum 1848 vermutlich nicht mehr geben. Zumindest wäre der VfL ohne sein Engagement und seine finanziellen Hilfen nicht seit 42 Jahren fester Bestandteil des deutschen Profifußballs. Eine sportliche Lebensleistung, auf die Vereine wie Arminia Bielefeld, Alemannia Aachen, Rot-weiss Essen, Fortuna Düsseldorf, VfL Wolfsburg, TSG Hoffenheim und viele andere, nur neidisch schauen können. Der VfL hat es trotz aller widrigen Umstände immer wieder geschafft. Und Werner Altegoer, der in den verschiedensten Funktionen den Weg des VfL in aktiver Verantwortung exakt 30 Jahre lang mitlenkte, hat an dieser kleinen Bochumer Erfolgsgeschichte gehörigen Anteil und nach seinem Rücktritt eine Infrastruktur hinterlassen, von der manch andere Vereine nur träumen. Allerdings werden diese Verdienste leider (noch) nicht (überall) entsprechend gewürdigt.

Denn Werner Altegoer war nicht nur der Präsident und Vorsitzende, in dessen Amtszeit der VfL auch mit zwei Teilnahmen am UEFA-Cup seine größten Erfolge zu feiern hatte. Werner Altegoer und sein VfL stiegen nun mal auch sechs Mal ab. Was alleine schon Anlass zur Kritik liefert, manifestierte Altegoer mit einer Vereinsführung, die nach Außen autoritär und aristokratisch wirkte. All dies rückte ihn mehr und mehr in den Mittelpunkt der Kritik, der sich Altegoer stets stellte – so lange sie nicht anonym in Foren veröffentlicht wurde. So reagierte er auch offen auf die unverhohlene Kritik an seiner Amts- und Vereinsführung, die wir als Faninitiative „Wir sind VfL“ kurz nach dem sechsten Abstieg artikulierten und er sich einmal mehr der Forderung ausgesetzt sah, einer anderen Vereinsführung Platz zu machen.

All dies brachte mir den Vorteil ein, Werner Altegoer in drei Gesprächen mit dem Aufsichtsrat persönlich kennenzulernen und feststellen zu müssen, dass er schlichtweg die Parameter des „bösen Aufsichtsratsvorsitzenden“ nicht erfüllte. So vermittelte er selbst den Personen, die offen an seinem Stuhl sägten den Eindruck, auf Augenhöhe miteinander zu sprechen und lauschte tatsächlich interessiert Forderungen und Vorschlägen, wie es mit dem VfL unserer Meinung nach weiter gehen sollte. Ein offenes und faires Miteinander lag ihm tatsächlich am Herzen und so hatte er auch kein Problem damit seine Aufsichtsratskollegen in besagter Runde zusammen zu falten, die wieder einmal versuchten, uns mit falschen Unterstellungen zu provozieren. Es machte tatsächlich Spaß, sich mit diesem Mann über den Verein auszutauschen. Umso mehr, weil er sich offen für eine Vielzahl unserer Positionen zeigte und solch mustergültige Veranstaltungen wie den Mitgliederforen die Tür öffnete und das Konzept im Verein etablierte. Umsetzen und eröffnen durfte es dann allerdings ein anderer, neuer Aufsichtsratsvorsitzender. Denn zwischenzeitlich trat Werner Altegoer unrühmlich nach einer turbulenten Mitgliederversammlung zurück. Ein Abgang, den Werner Altegoer nicht verdient hatte, den er sich aber aufgrund seiner Unnachgiebigkeit an jenem besagten Abend selbst zu zuschreiben hatte und somit seine Nichtentlastung selbst organisierte. Es bleibt zu hoffen, dass ihn die später erfolgte Ernennung zum Ehrenpräsidenten wieder mit seinem VfL versöhnt hat.

Nun kann er im blau-weißen Fußballhimmel weiter mit Ottokar Wüst streiten und dabei zusehen, wie diese Mannschaft, an deren Zusammenstellung er größtenteils nicht mehr beteiligt war, ihm in seinem Todesjahr den vielleicht größten Wunsch erfüllt: „Einmal den Pokal gewinnen!“ Glück auf dafür!

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Responses

  1. Links anne Ruhr (10.01.2013)…

    Bochum: Mach’s gut, Werner Altegoer! (Andreas Wiemers) – Werner Altegoer, der langjährige Aufsichtsratschef des VfL Bochum, ist verstorben. Siehe auch den folgenden Nachruf: Der VfL Bochum verliert seinen unermüdlichen Streiter f….

  2. […] der im Alter von 77 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben ist. (WAZ; FAZ; n-tv) Andreas Wiemers (Lagerstätte) hat einen sehr lesenswerten Nachruf aus Fansicht […]


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