Verfasst von: Andreas Wiemers | 8. April 2013

#nichtmehrMeinVfL

Wie groß die Verzweiflung bei den Verantwortlichen des VfL Bochum 1848 sein muss, soll nur eine rhetorische Frage sein, um in diesen Blog einzuleiten. Denn Verzweiflung wäre tatsächlich noch geschönt, um die jüngste Personalentscheidung dieses Vereins zu kommentieren, die von purem Populismus und nackter Hilflosigkeit geprägt ist. Dabei steht es außer Frage, dass der Verein angesichts einer beispiellosen Talfahrt und dem drohenden Absturz in die dritte Liga reagieren muss. Aber welche Konsequenz daraus gezogen wurde, entbehrt jeder Beschreibung. Zweifellos ist der Rauswurf von Jens Todt folgerichtig – kommt jedoch vermutlich einige Monate zu spät -, der diesen Kader, der weder als Team funktioniert und über Spieler mit eindeutigen Charakterschwächen verfügt, noch mit guten Fußballern gesegnet ist, mit zusammengestellt hat, und von seinen ehernen Zielen leider nichts umsetzen konnte. Dass Karsten Neitzel als Bauernopfer den Weg Todts mitgehen muss, ist offenbar Teil dieses dreckigen Fußballgeschäftes und beunruhigt lediglich dahingehend, dass diese Mannschaft offenbar bestimmt, wer sie trainiert und wie lange dies der Fall sein darf. Vermutlich gibt es nur einen Verein auf dieser Welt, in dem eine Ansammlung von Individualisten, die auf dem Platz nicht als Kollektiv funktionieren, gemeinsam so viel Macht ausüben darf wie beim VfL Bochum 1848. Aber so lange der Verein dieses Spiel mitspielt, bekommt er auch die Mannschaft, die er verdient. Der Einzige, der aus dieser Situation einmal mehr als nachträglicher Gewinner vom Platz geht, ist Ex-Coach Heiko Herrlich mit seiner offenbar zutreffenden Osterhasenanalyse.

Dass nun ausgerechnet Peter Neururer den VfL retten soll, ist mehr als nur ein Treppenwitz in der blau-weißen Weltgeschichte. Doch offenbar mag sich der VfL nun an einen schnauzbärtigen Strohhalm klammern, der mit Rezepten aus der Vergangenheit die blau-weiße Zukunft gestalten soll. Da hätte der VfL auch direkt Rolf Schafstall als Trainer im Paket mit dem Manager Neururer verpflichten können. Neururer also, der aus Gründen seit 3,5 Jahren keinen Job mehr gefunden hat, fungiert nun als Heilsbringer an der Castroper Straße. Ein Trainer, der gegen einen Abstieg mit dem VfL Bochum 1848 im Jahr 2005 kein Rezept gefunden hat und eine verunsicherte Mannschaft nicht mehr in die Spur bringen konnte, soll dies ausgerechnet nun wieder gelingen. Ausgerechnet unter dem Moonwalker, der die Bochumer Fanszene wie kein anderer spaltet und mehr als einmal Anlass war, dass sich die Ostkurve untereinander vermöbelte, soll also der Schulterschluss zwischen Fans und Mannschaft, der im Klassenkampf unerlässlich ist, geschaffen werden. Was alles nach einem schlechten Film klingt, ist jedoch das neue Drehbuch beim VfL Bochum. Und dieses Drehbuch wirkt umso absurder, wenn als dessen Autoren nun jene Führungsriege genannt werden muss, die seit ihrem Amtsantritt und der begonnenen Neujustierung des VfL Bochum 1848 unter Dauerfeuer des nun verpflichteten Heilsbringers steht und ihn damit letztendlich sogar noch in seiner Kritik bestätigt. Es stimmt fassungslos, dass der Aufsichtsrat seine Demontage selbst einleitet.

Wenn Neururer den Klassenerhalt schaffen sollte, was angesichts der Qualität des Kaders im Vergleich zu den direkten Konkurrenten kein Ding der Unmöglichkeit ist, hat die Vereinsführung mit diesem Rückgriff in die historische Mottenkiste dem VfL und künftig folgenden Trainern einen Bärendienst erwiesen. Denn es dürfte klar sein, dass in jeder sportlichen Krise die Rufe nach dem vermeintlichen Retter umso lauter werden und die Autorität des dann amtierenden Cheftrainers schon heute untergraben ist. Damit degradiert sich auch die (künftige) Vereinsführung zu einem Erfüllungsgehilfen des Kurvenpopulismus und schränkt sich in ihrer künftigen Handlungs- und Wahlfreiheit massiv ein. Unter diesen Voraussetzungen dürfte es schwer werden, überhaupt noch mal jemanden beim VfL an die Seitenlinie zu bekommen, der nicht im Schatten des vermeintlich Allmächtigen stehen will. Sollte jedoch die Lösung Neururer daneben gehen, steht der Verein nicht nur sportlich und finanziell vor einem Scherbenhaufen. Zurück bliebe ein zu tiefst gespaltener Verein, der sich nicht nur selbst abschafft, sondern selbst zerlegt.

Derweil ziehe ich mir eine rote Pappnase auf, verschenke meine Dauerkarte und füge somit dem Verein tatsächlich einmal Schaden zu, in dem ihm für die verbleibenden drei Heimspiele weitere 33 Euro für die Eintrittskarten flöten gehen…

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Responses

  1. Jetzt offiziell: Peter Neururer wird neuer Trainer beim VfL Bochum 1848 e.V. – Neitzel und Todt müssen gehen…

    Beim letzten Spiel des VfL Bochum 1848 e.V. (gegen Erzgebirge Aue) konnte der VfL Bochum 1848 e.V. sich leider nicht aus der misslichen Tabellensituation befreien – ganz im Gegenteil. Der gerne als “unabsteigbar” bezeichnete Verein au…

  2. […] Wiemers schreibt in seinem Blog, dass dieser Verein “#nichtmehrmeinVfL” sei und glaubt, dass die Verpflichtung […]


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