Verfasst von: Andreas Wiemers | 14. Mai 2014

Wir sind VfL. Ihr seid Pedda.

Im April 2013 wurde an dieser Stelle geschrieben, nicht mehr über den VfL Bochum 1848 zu bloggen und auch Stadionbesuchen wurde abgeschworen. Doch wie es beim Suchtverhalten so ist, gibt es Rückfälle. Der Versuch an die Wende zu glauben und zu hoffen, dass die kurze Bochumer Euphoriephase unter dem vermeintlichen Heilsbringer zum Ende der Saison 2012/13 sich auch auf die Saison 2013/14 überträgt, war zu verlockend. Zu groß war der Wunsch, sich vielleicht doch bei der Einschätzung der Personalie Neururer getäuscht zu haben. Zu stark war die Hoffnung, der angetäuschte personelle Umbruch ginge mit sportlichem Erfolg einher.

Nach 17 teilweise desaströsen Heimspielen bleibt die bittere Erkenntnis, sich weder bei der Verpflichtung von Neururer geirrt zu haben, noch dass Wünsche und Hoffnungen erfüllt wurden. Zurück bleibt eine Saison mit der schlechtesten Platzierung in der VfL-Bundesligageschichte und ein Jahr, in dem die vom VfL selbst gesteckten Ziele einmal mehr nicht erreicht wurden. Es bleibt die Erkenntnis, dass sich die Spielanlage und der Spielwitz des VfL kontinuierlich zurück entwickeln und elf Spieler auf dem Platz stehen, die weit davon sind eine Mannschaft zu bilden. Im TV-Ranking überholt vom FSV Frankfurt und Paderborn ist der VfL Bochum 1848 auf dem besten Wege den Anschluss komplett zu verlieren, wenn nicht die Ultras vor Heimspielen die Mannschaftsansprache übernehmen. Im DFB-Pokal bekommt der VfL in der neuen Saison bereits einen kleinen Vorgeschmack auf eine Entwicklung, die viele Fans befürchten: Er geht als gehandelter Drittligist in die erste Pokalrunde. Die leidgeprüfte Ostkurve steht erneut vor der handgreiflichen Spaltung und ohnehin sind jene, die trotz sportlicher Magerkost jedes Mal ihre Stimmbänder für den Verein opfern, für den größten Trainer aller Zeiten Vollidioten und verantwortlich für die schlechte Stimmung beim und um den Verein. Fanbashing hat in Bochum ebenso unwidersprochene Tradition wie der sportliche Niedergang. Doch wer mag schon einem Trainer widersprechen, der allwöchentlich im Spartenfernsehen zwischen sexy Sportclips und Curling-Wettbewerben Champions-League-Teilnehmern deren Fehler erklärt, während er gleichzeitig mit seinem Latein an der Seitenlinie scheitert. All dies steht einem Alibi-Ausbildungsverein, in dem Nachwuchsspieler zu Alibi-Einsätzen kommen, bevor sie zur sportlichen Entwicklung das Weite suchen, halt nicht gut zu Gesicht.

All dies könnten für Aufsichtsrat und Vorstand Gründe genug sein, Entscheidungen zu hinterfragen und mit Blick auf den eigenen Anspruch selbige zu revidieren. Doch offenbar wollen und können sie die Geister, die sie riefen und unnötigerweise mit einem zwei Jahresvertrag ausstatteten, nicht mehr loswerden. Der VfL ist fest in der Hand einer Motorradgang. Wer sich von der personellen Neuaufstellung im Aufsichtsrat einen neuen, anderen Weg versprochen hatte, muss resignieren und Vorsitzenden wie Werner Altegoer und Ernst-Otto Stüber hinterhertrauen, die wenigstens noch in Form von Mitgliederforen den Dialog suchten. Dieses lobenswerte Instrument der Mitgliederbeteiligung ist auf dem Weg vom VIP-Parkplatz über die RevierPowerLounge hin zu den VIP-Plätzen komplett verloren gegangen. Mag sein, dass diese mangelnde Erdung zu den falschen Schlussfolgerungen im Kontrollgremium führt. Aber auch der Umstand, den zahlreichen Rufen nach sportlicher Kompetenz im Aufsichtsrat gefolgt zu sein, führt offensichtlich nicht zwingend dazu, dass sich die Einschätzung zahlreicher Fans und der Vereinsführung einander annähern. Es steht zu befürchten, dass Fans und Vereinsführung noch nie so weit voneinander entfernt waren wie im Mai 2014 und der Energieriese, in dessen VfL-Engagement viele Hoffnungen gesteckt wurden, als Trainerbankvorleger endet.

Lüttich und Abstiege waren Negativerlebnisse, die sportlich bereinigt werden hätten können. Auch Platz 15 in Liga 2 könnte behoben werden. Allein es fehlt der Glaube, dass dies mit diesem Trainer, seinem taktischen Gespür, seinen verschlissenen Motivationsmethoden und antiquierten Personalauswahl möglich ist. Stattdessen wächst die Sorge, dass der VfL mit dieser Personalentscheidung vor einem Bochumer Herbst steht, der eine Trainer- und Sportvorstandssuche einhergehend mit einer turbulenten Jahreshauptversammlung mit sich bringt und die Perspektive des Vereins noch mehr in Frage gestellt sein wird. Bis dahin werde ich aber wenigstens geklärt haben, was ich mit den eingesparten 120 Euro für meine Dauerkarte mache. Vielleicht investiere ich diese in weitere Bücher von Frank Goosen. So kann man wenigstens zwischendurch mal Schmunzeln obwohl einem zum Weinen zu Mute ist…

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Responses

  1. […] 11. Peter Neururer ist in Bochum das, was David Hasselhoff für Gesamtdeutschland, doch der Putz vom Volksheld bröckelt ab (Andreas Wiemers). […]

  2. […] Wir sind VfL. Ihr seid Pedda. (Andreas Wiemers) – Siehe auch: Letzte Chance für Trainer Neururer. […]


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